
Für Einen kurzen Moment im Jahre 1983 hielt die deutsche Autowelt den Atem an. Der Golf war nicht mehr die Nummer eins in der Verkaufsstatistik.Aber es waren nicht Kadett oder Escort, die ihn verdrängten - es war die Mittelklasse von Mercedes, der W123 - im Schnitt etwa doppelt so teuer wie die BestSeller der Kompaktklasse!
Das kann uns eigentlich heute freuen, denn W123 dürfte es ja demnach eigentlich in ausreichendem Maße geben - oder?
Vorhanden: JA - Faire Preise - je nachdem...
Eins sollte bei dem W123 wie eigentlich bei allen Daimler-Benz-Modellen von Anfang an klar sein: Anschaffungs-, Unterhalts-, Erhaltungs- und Ersatzteilkosten sind nicht gerade die eines Renault Twingo...
Selbst halbwegs durchgerostete Exemplare aus den Jahrgängen vor 1982, die durchaus zu Rost neigen, kosten in der Anschaffung eigentlich selten unter 1000€, halbwegs gescheite Exemplare liegen bei 2.000-3.000 - nach oben hin ist keine Grenze gesetzt - es entscheidet der Zustand, nicht die Motorisierung oder der Kilometerstand.
Vom W123 sind extrem viele Exemplare auf dem Markt, die über 300.000 Kilometer zurückgelegt haben - richtig Sorge muss man sich im Bereich der Motoren dann noch nicht einmal machen. Gerade bei älteren Modellen vor 1982, die noch erkennbar sind an den runden Leuten bei den Modellen unterhalb des 280ers, ist der Rost ein gern gesehener Gast - und zwar in geradezu bizarren Ausmaßen und Erscheinungsformen - selbst von Inne durchgerostete Türen und Motorhauben sind keine Seltenheit. Speziell die Türen neigen auch zum Kantenrost. Eine durchrostende Tür erkennt man beim Probefahren ganz leicht daran, dass sie in Kurven metallische Geräusche von sich gibt - dann muss auch der Preis purzeln oder man lässt es.

Wer sich nach dem W123 umsieht, der von 1976 bis 1984 [T-Modell bis '85] gebaut wurde, sieht sich einer unglaublichen Vielfalt an Ausstattungs- und Motorisierungsvarianten gegenüber, die vom 55PS-Diesel im 200D vor 1980 bis hinauf zu 185 PS im 280E reichen.
Die Diesel vor 1980 entstammen noch der alten Bauweise, wie sie Mercedes bereits seit den 60er Jahren verwendete - sie sind träge und durch hohe Besteuerung ohnehin uninteressant - ein 200D dieser Jahre ist froh, 120 KM/H zu schaffen; Prädikat: Nicht zeitgemäß.Dennoch sind die Diesel stets deutlich teurer als die Limousinen, noch teurer sind nur die seltenen T-Modelle, die erst 1978 auf den Markt kamen - demnach gilt: T-Modelle mit Diesel, wie etwa der 240TD, haben trotz ihrer 72PS schlappen Motorisierung längst Regionen echter Klassiker erreicht - unter 3500 sind keine Modelle zu bekommen, die die Empfehlung wert wären, 7000 Euro sind drin und schließen Kilometerleistungen über 200.000 KM noch lange nicht aus...
Typische Schwachstellen über alle Modelle hinweg:
Rost, überall und immer bei Modellen vor 1982 Fahrwerksteile ausgeschlagen [teuer] Ölaustritt an Motoren [vor allem 6Zylinder] und AutomatikgetriebenHinzu kommt bei diesen Modellen alles, was man mit krimineller Energie erfinden kann, um die Preise hochzutreiben - ein Wagen ohne Scheckheft ist eigentlich immer verdächtig - erst- und Zweitbesitzer der W123er Reihe galten als penibel - entweder also waren die späteren Besitzer schlampig, was gleichbedeutend mit FINGER WEG ist - oder aber: bereits die Erstbesitzer hatten hohe Laufleistungen zu verbergen und haben manipuliert - keine Seltenheit.
Sehr verdächtig ebenfalls: Modelle, die in zweiter Hand kurze Zeit in Belgien oder den Niederlanden gelaufen sind und anschließend wieder in Deutschland - das ist ein absolut todsicheres Zeichen für kaschierte Unfälle mit Techniken, die in Deutschland schon seit den 50er Jahren verboten sind. Häufig wurden hier beispielsweise ein Wagen mit großem Schaden an der Front einfach an die lebendigen Teile eines Wagens mit teurem Heckschaden geschweißt.
Bei Modellen der Marke Mercedes ist alles möglich, da die Wagen von Beginn an begehrt und teuer waren. Dies gilt teilweise natürlich auch für die Modelle der Baureihe W126. Wer sich davor fürchtet, sollte sich nach alltäglicheren Brot- und Butter-Autos umsehen oder gar nach BMWs oder AUDIs dieser Jahre, die qualitativ zu dieser Zeit schon mit den Stuttgarter Autos mithalten konnten, jedoch bei weitem nicht so viel kriminelle Energie angezogen haben.

Bedenkenlos kaufen kann man eigentlich nur Modelle mit Scheckheft nach dem kleinen Facelift von 1982. Die glänzen einerseits durch die schon sprichwörtlich brutale Haltbarkeit dieser Autos - zudem haben sie deutlich festere und bessere Sitze, vor allem auf der Rückbank und neigen in deutlich deutlich geringerem Maße zu den schlimmen Rostorgien der früheren Jahrgänge.
Wer einen älteren Wagen in Augenschein nehmen will, sollte in jedem Falle einen Magneten mitnehmen, um großflächigem Spachteln auf die Schliche zu kommen - am besten gleich einen erfahrenen Mechaniker, da die Relativ komplexe Mechanik der Fahrzeuge nicht nur ein wenig unüberschaubar installiert ist - anfallende Reparaturen, die beim Kauf übersehen werden, gibt es niemals zu den gnädigen Preisen eines Opel oder Ford.Zu vergleichsweise geringen Preisaufschlägen gibt es die Coupés 230 und 280 C, beziehungsweise CE, wenn bereits eine Einspritzanlage unter der Haube werkelt.
Diese befinden sich im Regelfalle im besseren Zustand, da sie bei den Gebrauchtwagenschiebern nie ein so reges Interesse hervorriefen, weil 4türige Autos bei den Hehlern und im Ostblock stets begehrter waren.
Diese Wagen, heute ab etwa 2500€ auf dem Markt und größtenteils mit der sehr motorschonenden Automatik ausgestattet, dürfen zudem auf einen regen Wertanstieg hoffen. Das Modell 230C mit seinen 109 PS bis Mitte 1980 im Handel ist jedoch, speziell mit Automatik, untermotorisiert, durch die hohen anfallenden Drehzahlen darüber hinaus laut und Schluckfreudig - 14 Liter sind nichts unnormales, wie übrigens auch bei den meisten anderen Benzinern, während die Diesel im Schnitt mit 9-10 Litern zufrieden sind.
Exemplare mit Katalysatoren sind begehrt und im Schnitt einen 1000er teurer - gut angelegtes Geld, da die Nachrüstung ohnehin mit MINDESTENS diesem Betrag einzukalkulieren ist.