Vom Beginn seiner Karriere an kam den Granada eine Sonderrolle zu, die ihm ein sonderbares Publikum bescherte und aus heutiger Sicht fraglos Kultstatus verleiht. Der Granada kostete soviel wie ein Opel Rekord, war aber stets besser ausgestattet und motorisiert. Wollte man einen Wagen dieser Potenz, dieser Ausstattungsdichte und vor allem mit diesen opulenten Platzverhältnissen im Innenraum erwerben, musste man bei Mercedes, BMW oder Audi die doppelte Summe über den Tisch des hauses schieben. Der hohe Wertverlust der Marke Ford in den 70er und 80er Jahren sorgte darüber hinaus dafür, dass der Wagen schnell in die Hände von finanzschwachen Rasern kamen, die sich plötzlich mit einem fetten 6Zylinder motorisiert wiederfanden, einer riesenhaften Karosserie und einem fett auf der Straße liegenden großen Auto zum Preis eines Golf - die Quote derer, deren spontane Freude über diesen historischen Irrtum an einem Baum endete, war entsprechend groß.
 Der hohe Wertverlust machte die Wagen so schnell wertlos, dass sie leider spätestens bei ihrem zweiten oder dritten Besitzer eher mit dem Absatz getreten als zärtlich mit Schwamm und Lappen behandelt wurden. Glücklicherweise bildeten einige ältere Zeitgenossen hier eine löbliche Ausnahme: Der Granada war häufig ihr letztes Auto, pünktlich zur Rente noch einmal eine große Kiste. Die Exemplare dieser Rentner gilt es heute zu suchen, denn hier gibt es penibel gepflegte und gewartete Exemplare für ein paar hundert Euro mit nicht einmal 100.000 auf der Uhr, naturgemäß verstärkt im Raum Köln zu finden, wo die Wagen gebaut wurden. Zahlreiche dieser Exemplare sind jedoch auch im Saarland und in den Niederlanden und Dänemark zu finden, wo man keine deutschen Premium-Autos kaufte und ein richtig großes Auto dadurch quasi Automatisch ein Volvo 240 oder ein Granada war. Typischen Schwachstellen: Ausgeschlagene Radlager, vor allem vorne rechts geringe Mengen Rost an den Radläufen und oberhalb der hinteren Wagenheberaufnahme Undichtigkeiten am Automatik-Getriebe verschlissene Stoßdämpfer [vor allem bei Kombis] Der Zustand gebrauchter Granada-Kombis gehört traditionell zum schlimmsten, was der Markt hergibt, da diese Wagen einerseits zu den unvorstellbarsten Transportzwecken genutzt wurden, andererseits nie schonend gefahren oder gepflegt wurden. Ein Granada Turnier mit Scheckheft gibt es eigentlich nicht.  Was schon für den Taunus gilt, gilt für den Granada in verstärktem Maß: speziell die Sechszylindermotoren waren schon zu Lebzeiten überaltert und saufen hemmungslos zwischen 12 und 16 Litern in sich hinein. Der 2.8er Vergaser mit 135PS ist der schlimmste - Die Einspritzer-Variante mit 150 bis 170PS, je nach Markt, ist eindeutig die bessere Wahl. Dennoch sind die Motoren sehr zäh und langlebig und zwar bei deutlich geringeren Kosten als die Maschinen vergleichbarer Mercedes-Modelle wie etwa dem historischen Weggefährten W123, dessen Ersatzteilpreise exorbitant teuer sind. Daneben finden sich immer wieder Exemplare, die in den späten 80ern mit den Motoren aus Sierra und Scorpio, den Nachfolgemodellen von Taunus und Granada, nachgerüstet wurden und dadurch zum Teil sogar mit gescheiten Katalysatoren ausgestattet sind. Alles in Allem fährt sich der Granada aufgrund seines langen wie breiten Radstandes und des sehr weitsichtig ausgelegten Fahrwerkes auch heute noch so zeitgemäß, dass man mühelos im BAB-Verkehr mitschwimmen kann. Richtig prächtig jedoch gibt sich der Granada auf Landstrassen, wo ihm nur der 5er BMW dieser Jahre das Wasser reichen kann. Die letzten Granadas wurden 1985 gebaut und sind zum Teil noch in der Hand der ersten Besitzer. Die Preissteigerung der Modelle ab 1977 setzte erst in etwa 2 Jahren so richtig an. Preise um 200-400€ sind drin, richtig gute Exemplare gehen für einen tausender über den Tisch. Die Modelle aus der runderen ersten Serie, die wenig zeitgemäß gefedert sind, haben bereits kräftig angezogen. Modelle mit zeitgenössischem Vinyl-Dach sind bereits rar und sehr gesucht und erzielen längst Preise um 4.000 bis 5.000 Euro - Behalten kann sich also lohnen.
|