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Bürgerlichkeit auf die Spitze getrieben

Rekord E von 1977 bis 1982 in zeitgemäßer Lackierung und Ausstattung 'Berlina'

Als Papa den Wagen Samstags noch mit der Hand wusch, Italien ein cooles Reiseziel für Familien und die Staaten im Osten noch böse waren, war er das Zeichen, dass man es im bürgerlichen Lager zu etwas gebracht hatte: der Opel Rekord.
Wer sich heutzutage nach einem Rekord als Alltags-Klassiker umschaut, sollte sein Augenmerk auf den Rekord E oder E2 richten, die von 1977 an, bzw. 1982 [E2] an gebaut wurden und erst 1986 vom damals futuristisch wirkenden Omega A abgelöst wurden.
Diese Modelle fahren sich auch heute noch sehr zeitgemäß, legen jedoch bereits ein angenehm schrulliges Aussehen an den Tag und glänzen durch feine Details der späten 70er beziehungsweise frühen 80er Jahre, die sich in diesem Wagen sehr schön konserviert haben.
Der Rekord war Zeit seines Lebens ein klassisches Verbrauchsauto, das von realistischenbürgerlichen Zeitgenossen gefahren wurde und sich im Regelfall recht liebevoller Pflege sicher sein konnte.

großzügig aber spießig: Innenraum des Rekord - hier ein E2 von 1982 in Berlina-Ausstattung

Zahlreiche ältere Herren kauften sich Ende der 80er Jahre noch einen Rekord und behielten den dann die nächsten Jahre, weil ihnen zuerst der Omega zu futuristisch erschien und irgendwann einfach ein zu hohes Alter für ein neues Auto eingetreten war.
Gute Exemplare aus dieser Range beginnen mit geringen Laufleistungen um 400€, Top-Exemplare mit 2Liter-Einspritzer und satten 110 PS [später 115 im 2.2i] liegen im Maximum bei 1800€ und haben dann häufig gerade mal 70.000 Kilometer drauf.
Die niedrig belasteten Vierzylinder zeigen sich ebenso erfreulich robust wie wartungsarm und sind zudem in dem großen Motorraum eigentlich hoffnungslos verloren und dadurch von allen Seiten gut zugänglich.
Die Ersatzteilversorgung ist mit Ausnahme kleinere Details erstklassig, Verschleißteile nach wie vor überall zu bekommen - was vor allem für den Rokord E2 [82-86] gilt, den es zudem in den letzten Baujahren mit Katalysator gibt, was die Kosten bedeutend dämpft.

Wer den Wagen heute fahren möchte, sollte jedoch eher auf die Servolenkung schielen, die damals in dieser Klasse nicht üblich war - Modelle ohne Servolenkung lassen sich zwar im normalen verkehr auch heute noch gut bewegen, im Stand sind sie ein Albtraum...

Häufig für ein paar hundert Euro auf dem Hinterhof zu haben: Rekord E2 - im Bild ein 2.0S von 1984

Die bekanten Mängel sind allesamt unkritisch:
  • Rost hier und da an unkritischen Stellen
  • ungleichmäßig ziehende Bremsen
  • Schabende Geräusche an der Kardanwelle
  • Hoher Bremsenverschließ bei Automatik-Modellen
  • leichte Neigung zu Marderbissen und porösen Benzinleitungen.

    Letzteres klingt zunächst schlimmer, als es wirklich ist - die porösen Benzinleitung stinken bis in den Innenraum und können von jedem Laien fehlerfrei und unzweifelhaft diagnostiziert werden, lange, bevor etwas ernsthaftes passiert. Der Ersatz der Leitungen ist - zumindest bei den Vergasermodellen - kinderleicht.
    Die Marder gehen im Regelfall gegen die Kühlerschläche vor - Reparaturaufwand um 30€ - lässt sich mit ein bisschen Fantasie und Willen sogar häufig flicken.
    Ansonsten ist der Rekord einerseits im Regelfalle mechanisch gesund, andererseits in der Anschaffung ebenso günstig, wie im Bereich potentieller Reparaturen, dass man mit dem Kauf dieses letzten Opels, der im Volksmund noch für Qualität stand, nur sehr selten ein größeres Risiko eingeht.
    Mit Abstrichen gilt das auch für die Kombis, die weniger verbreitet waren und zudem mittlerweile häufig von den zeitgenossen aufgezehrt wurden, die große Platzansprüche hatten und sich keinen W123 oder Volvo 245 leisten konnten.
    Wem das Ambiente eines Rekord nicht ausreichen sollte, sollte sich gezielt nach einem Commodore oder Senator dieser Periode umsehen, die im Innenraum etwas gediegener sind und [im Falle des Senator] auch teilweise deutlich besser motorisiert. Von den Platzverhältnissen betrachtet sind sie im wesentlichen identisch.

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